Kältemittel-Bestand führen: Flaschen, Mengenbilanz und Aufzeichnungen
Kältemittel-Bestand im Fachbetrieb: Flaschen, Einkauf, Einfüllen, Rückgewinnung und Entsorgung festhalten, die Mengenbilanz je Kältemittel führen und die Mengen im F-Gas-Logbuch belegen.
Aktualisiert am 6. Oktober 2026
Jedes Kilogramm Kältemittel, das ein Kälte-Klima-Betrieb in eine Anlage füllt, kommt aus einer Flasche, und jedes Kilogramm, das er zurückgewinnt, geht in eine. Die F-Gas-Verordnung verlangt Aufzeichnungen je Anlage, darunter die hinzugefügten und zurückgewonnenen Mengen. Ob diese Mengen stimmen, zeigt erst der Bestand des Betriebs. Dieser Ratgeber erklärt, welche Bewegungen ein Kältemittel-Bestand kennt, wie du Flaschen und Gebinde einzeln führst, wie die Mengenbilanz je Kältemittel entsteht und wie Bestand und F-Gas-Logbuch zusammenpassen.
Warum ein Kältemittel-Bestand mehr ist als Lagerverwaltung
Nach Art. 7 der Verordnung (EU) 2024/573 gehören in die Aufzeichnungen jeder prüfpflichtigen Anlage die bei Installation, Wartung, Instandhaltung oder Leckage hinzugefügten Mengen, die zurückgewonnenen Mengen und die Angabe, ob das Kältemittel recycelt oder aufgearbeitet wurde. Diese Pflicht bezieht sich auf die Anlage. Der Betrieb, der die Arbeiten ausführt, hat aber dieselben Mengen auf der anderen Seite: als Abgang aus seinen Flaschen und als Zugang in seine Rückgewinnungsflaschen.
Wer beide Seiten führt, kann jede Logbuchzahl belegen. Der Bestand zeigt, woher das eingefüllte Kältemittel stammt, wohin das zurückgewonnene gegangen ist und ob am Jahresende die Mengen aufgehen. Dazu kommt ein wirtschaftlicher Grund: Die Quote für fluorierte Gase sinkt schrittweise, Kältemittel werden teurer und ältere Sorten knapper. Ein Bestand, der Flaschen, Füllstände und CO2-Äquivalent zeigt, macht diesen Wert im Lager sichtbar.
Die sechs Bewegungsarten im Bestand
Ein Kältemittel-Bestand kennt Zugänge, Abgänge und Korrekturen. Zugänge sind der Einkauf beim Lieferanten und die Rückgewinnung aus einer Anlage ins eigene Lager. Abgänge sind das Einfüllen in eine Anlage, die Entsorgung über einen Entsorger und die Rückgabe an den Lieferanten. Die Korrektur ist die einzige Bewegung mit Vorzeichen: Sie gleicht Abweichungen aus, die beim Wiegen oder Zählen auffallen, und sollte immer mit einer Notiz begründet werden.
Zu jeder Bewegung gehören Datum, Kältemittel und Menge in Kilogramm. Hilfreich sind außerdem die Flasche, aus der oder in die gefüllt wurde, die Anlage, der Techniker, die Gegenpartei, also Lieferant, Entsorger oder Kunde, und eine Nachweisnummer wie Lieferschein oder Entsorgungsnachweis. Je vollständiger die Bewegung, desto leichter beantwortest du später die Frage, wo eine bestimmte Menge geblieben ist.
- Einkauf: Zugang vom Lieferanten
- Rückgewinnung: Zugang aus einer Anlage ins Lager
- Einfüllen: Abgang in eine Anlage
- Entsorgung: Abgang an einen Entsorger
- Rückgabe: Abgang zurück an den Lieferanten
- Korrektur: Ausgleich mit Vorzeichen, immer mit Begründung
Flaschen und Gebinde einzeln führen
Eine Bilanz je Kältemittel zeigt, wie viel insgesamt da ist. Wo es liegt, zeigt erst die einzelne Flasche. Jede Flasche bekommt deshalb eine interne Bezeichnung und, soweit vorhanden, die Flaschen- oder Gebindenummer des Lieferanten, die Charge, den Lieferanten, den Nenninhalt und einen Herkunftsnachweis, zum Beispiel die Nummer des Lieferscheins oder des Zertifikats. Der Füllstand ergibt sich aus den Bewegungen, die der Flasche zugeordnet sind.
Für den Lebenszyklus reichen drei Zustände: aktiv, leer und zurückgegeben. Eine leere Flasche bleibt mit ihrer Historie erhalten, bis sie an den Lieferanten zurückgeht. So lässt sich auch nach Jahren noch sagen, aus welcher Charge das Kältemittel in einer bestimmten Anlage stammt.
- Interne Bezeichnung und Flaschen-/Gebindenummer
- Kältemittel, Charge, Lieferant, Nenninhalt
- Herkunftsnachweis: Lieferschein oder Zertifikat
- Füllstand aus den zugeordneten Bewegungen
- Status: aktiv, leer, zurückgegeben
Die Mengenbilanz je Kältemittel
Die Mengenbilanz rechnet für jedes Kältemittel alle Bewegungen zusammen: Eingekauft plus zurückgewonnen, minus eingefüllt, entsorgt und zurückgegeben, plus oder minus Korrekturen. Das Ergebnis ist der rechnerische Bestand in Kilogramm. Multipliziert mit dem Treibhauspotenzial und geteilt durch 1.000 ergibt sich das CO2-Äquivalent des Lagerbestands in Tonnen.
Ein negativer Bestand ist ein Warnsignal. Er bedeutet fast immer, dass eine Bewegung fehlt, meist ein Einkauf, der nie gebucht wurde, oder eine Rückgewinnung, die im Logbuch steht, aber nicht im Lager. Für den Jahresabschluss lohnt sich eine Bilanz zum Stichtag 31. Dezember, die nur Bewegungen bis Jahresende berücksichtigt. So zeigt ein Bestandsbericht für ein vergangenes Jahr den damaligen Stand und nicht den von heute.
- Bestand = Einkauf + Rückgewinnung − Einfüllen − Entsorgung − Rückgabe ± Korrektur
- CO2-Äquivalent in t = Bestand in kg × GWP ÷ 1.000
- Negativer Bestand: fehlende Buchung suchen
- Jahresbericht zum Stichtag 31.12.
Bestand und F-Gas-Logbuch zusammenführen
Die wichtigste Regel: Eine Menge wird nur einmal erfasst. Füllt der Monteur bei einer Kontrolle nach, ist das im Logbuch der Anlage eine Nachfüllung und im Bestand ein Abgang aus der Flasche, die er benutzt hat. Gewinnt er Kältemittel zurück, steht es im Logbuch als zurückgewonnene Menge und im Bestand als Zugang. Wer beides getrennt abtippt, produziert früher oder später Abweichungen.
Im Modul Kälte / Klima von Zunftheld buchen Prüfungen Nachfüllung und Rückgewinnung automatisch in den Bestand. Im Prüfdialog wählst du die Flasche, aus der nachgefüllt wurde, und deren Füllstand sinkt; die Flasche lässt sich in der Bewegungsliste auch nachträglich zuordnen. Unter Bestand legst du Flaschen mit Kältemittel, Flaschen- oder Gebindenummer, Charge, Lieferant, Nenninhalt und Herkunftsnachweis an, die Erstbefüllung wird als Einkauf gebucht. Einkauf, Entsorgung, Rückgabe und Korrektur erfasst du als Bewegung mit Flasche, Techniker, Gegenpartei und Nachweisnummer. Die Mengenbilanz je Kältemittel zeigt Bestand und CO2-Äquivalent, ein Jahresfilter den Stand zum 31.12., und den Bestandsbericht gibt es als PDF, die Bewegungen als CSV. Bewegungen aus Prüfungen lassen sich nicht von Hand löschen, von Hand erfasste nur durch das Büro.
Praxisbeispiel
Beispiel: ein Jahr R-410A im Lager eines Kälte-Klima-Betriebs
Ein Betrieb kauft im Februar zwei Flaschen R-410A mit je 10 Kilogramm, Lieferscheinnummer als Herkunftsnachweis. Im Mai findet ein Monteur bei einer Dichtheitskontrolle ein Leck, repariert und füllt 1,2 Kilogramm aus Flasche A nach. Im September wird eine alte Klimaanlage außer Betrieb genommen, der Monteur gewinnt 6 Kilogramm in eine Rückgewinnungsflasche zurück, die im Oktober mit Entsorgungsnachweis an den Entsorger geht.
Die Mengenbilanz zum 31. Dezember lautet: 20 Kilogramm eingekauft plus 6 zurückgewonnen, minus 1,2 eingefüllt und 6 entsorgt, ergibt 18,8 Kilogramm. Mit dem Treibhauspotenzial von 2.088 sind das 39,25 Tonnen CO2-Äquivalent im Lager. Flasche A zeigt 8,8 Kilogramm, Flasche B ist noch voll, die Rückgewinnungsflasche ist nach der Entsorgung leer. Jede Zahl im Logbuch der beiden Anlagen findet sich als Bewegung im Bestand wieder.
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Häufige Fragen
Was gehört in eine Kältemittel-Mengenbilanz?
Je Kältemittel die eingekauften, zurückgewonnenen, eingefüllten, entsorgten und zurückgegebenen Mengen sowie Korrekturen. Daraus ergibt sich der rechnerische Bestand in Kilogramm und mit dem Treibhauspotenzial das CO2-Äquivalent. Eine Bilanz zum Stichtag 31.12. zeigt den Stand am Jahresende.
Muss zurückgewonnenes Kältemittel im Bestand erfasst werden?
Im Logbuch der Anlage ist die zurückgewonnene Menge nach Art. 7 der F-Gas-Verordnung eine Pflichtangabe. Im Bestand des Betriebs ist sie ein Zugang, der später als Entsorgung oder Rückgabe wieder abgeht. Wer sie dort nicht bucht, kann den Verbleib nicht belegen und hat eine Lücke in der Bilanz.
Warum zeigt meine Bilanz einen negativen Bestand?
Weil eine Bewegung fehlt. Meist wurde ein Einkauf nicht gebucht, oder Nachfüllungen wurden erfasst, bevor die Flasche angelegt war. Prüfe die Bewegungen des Kältemittels und trage den fehlenden Einkauf nach; eine Korrektur nur mit begründeter Notiz.
Wie lange sollte ich die Unterlagen aufbewahren?
Die Aufzeichnungen je Anlage nach Art. 7 der F-Gas-Verordnung mindestens fünf Jahre. Einkaufsrechnungen für Kältemittel sind Buchungsbelege und unterliegen der steuerlichen Aufbewahrungsfrist von acht Jahren. Wer Bestand und Logbuch digital führt, hat beides an einer Stelle.
Was ist ein Herkunftsnachweis bei Kältemittelflaschen?
Ein Beleg, woher das Kältemittel in einer Flasche stammt, etwa die Nummer des Lieferscheins oder ein Zertifikat des Lieferanten. Zusammen mit Charge und Flaschennummer lässt sich damit nachvollziehen, aus welcher Lieferung das in eine Anlage gefüllte Kältemittel kam.
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